Tether, USDC und Co.: Stablecoins geraten ins Visier von Regulierungsbehörden

Regulierungsbehörden weltweit richten zunehmend ihre Lupe auf die Sparte Stablecoins wie Tether (USDT). Beim Crash des Terra (LUNA) Ökosystems im Mai vernichtete der dortige Stablecoin UST knapp 20 Milliarden US-Dollar Kapital.

In der Kryptoindustrie spielen Stablecoins wie Tether (USDT), USDC und Binance USD eine systemrelevante Rolle. Rund 140 Milliarden US-Dollar bilden allein diese drei Stablecoins ab, die sich in den Top 10 der kapitalstärksten Kryptowährungen etabliert haben. Was in der klassischen Finanzwelt Cash-Reserven sind, sollen Stablecoins für die Kryptobranche sein. Doch immer wieder gibt es Zweifel daran, ob diese eigentlich fest 1:1 an den US-Dollar gekoppelten Altcoins auch Stresstest bestehen würden. Die Sonderform eines algorithmischen Stablecoins namens UST etwa war im Mai Hauptgrund für den Crash des Terra (LUNA) Ökosystems, bei dem sich insgesamt rund 40 Milliarden US-Dollar quasi in Luft auflösten, davon 18 Milliarden bei UST.

So kommt es im Grunde wenig überraschend, dass Regulierungsbehörden von den USA bis Europa und Japan prüfen, wie sie mit Stablecoins umgehen sollen. Die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg hat die Situation für Tether, USDC und Co. in einem aktuellen Marktreport beleuchtet. Demnach zeichnet sich ab, dass die Regulierungsbehörden darauf hinarbeiten, Herausgeber von Stablecoins so zu behandeln wie Zahlungsdienstleister und verwandte Finanzunternehmen. Für die Sparte Stablecoins werde sich daraus ein Szenario entwickeln, in dem es sich bei jedem Stablecoin individuell entscheiden müsse, ob er weiter Bestand haben kann – so sagen Experten.

Reserven von Tether womöglich nicht stabil organisiert

Bloomberg untersucht die Lage anhand der beiden bekanntesten und kapitalstärksten Stablecoins Tether und USDC. Tether hatte in 2019 erstmals eingeräumt, USDT nicht wie eigentlich angegeben komplett durch Fiat-Reserven abzusichern. Mittlerweile – auch durch juristische Auflagen – veröffentlich Tether jedes Quartal einen Bericht von externen Rechnungsprüfern. Dabei sticht ins Auge, dass Cash für die Reserven bei Tether nur noch eine untergeordnete Rolle einnimmt und stattdessen etwa Geldmarktpapiere („commercial papers“) zuletzt für 8,4 Milliarden der Marktkapitalisierung von 67 Milliarden US-Dollar bürgten. Aber in einem erwarteten US-Gesetz zu Stablecoins sei mit Beschränkungen zu Geldmarktpapieren zu rechnen, weil dieses Finanzinstrument sich bereits 2020 als anfällig erwies, so Bloomberg. US-Senatorin Elizabeth Warren sagt, die Konstruktion bei Tether sei „eine weitere, gigantische rote Flagge“ und Beweis dafür, dass im allgemeinen Interesse eingeschritten werden müsse.

USDC auf dem Weg zum globalen Stablecoin Nummer Eins?

Bei USDC – Marktkapitalisierung 53 Milliarden US-Dollar – sehen Transparenz und Absicherung laut Bloomberg deutlich besser aus. Dort werden monatlich Prüfberichte von unabhängiger Seite zu USDC veröffentlicht und wöchentlich ein Bericht von Circle, dem Krypto-Finanzunternehmen hinter USDC. Dazu kommen Meldungen an die US-Börsenaufsicht SEC. USDC sichert seine 1:1 Bindung an den US-Dollar demnach derzeit etwa zu 20 Prozent durch Cash-Reserven und zu 80 Prozent durch kurzfristige US-Staatsanleihen. Dieses Modell scheint aussichtsreich, auch wenn perspektivisch möglich wäre, dass Herausgeber von Stablecoins täglich über Reserven berichten müssten, zitiert Bloomberg Experten. Daraus könnte sich auch ergeben, dass Tether als die Mutter aller Stablecoins seine Vormachtstellung verliert.

Binance USD im grünen Bereich?

Die weltgrößte Kryptobörse Binance organisiert auch ihren eigenen Stablecoin BUSD in Zusammenarbeit mit dem US-Kryptounternehmen Paxos. Für BUSD werden monatliche Attestate von Paxos selbst veröffentlicht, die wenig ins Detail gehen. Immerhin etwa 18 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung versammelt BUSD hinter sich und auch wenn der Stablecoin bisher nicht ins Gerede kam, muss Binance sich darauf einstellen, bei den Prüfberichten deutlich nachzubessern.

Aus für Stablecoins wie DUSD von Julian Hosp und USDD von Tron rückt näher

So wie Bloomberg die Entwicklungen und Atmosphäre zu Stablecoins schildert, ist relativ klar: Stablecoins ohne Deckung in harter Währung werden von Regulierungsbehörden aussortiert werden. Das Konzept algorithmischer Stablecoins wie bei Terra UST dürfte dabei durchweg betroffen sein, Beispiele von DUSD von DeFiChain mit Julian Hosp sind jetzt schon am Scheitern. USDD von Tron hielt die Kryptoszene im Juni im Atem, als die 1:1 Bindung an den US-Dollar wochenlang verloren wurde. Ein bei AAVE geplanter Stablecoin GHO wäre ebenfalls wohl kaum genehmigungsfähig.

Fazit: Marktbereinigung bei Stablecoins liegt im Interesse von Anlegern

Manche Krypto-Anleger pochen weiter auf Grundideen, die Einflüsse von Regulierungsbehörden anschließen wollen. Doch das Gros der Kryptobranche hat in den vergangenen Jahren begriffen: Regulierung ist nicht an sich schädlich, denn sie stärkt Vertrauen und Sicherheit, was Massenadoption von Bitcoin und Co. erst möglich macht. Deshalb dürfte sich das Eingreifen von den Regulierungsbehörden der großen westlichen Volkswirtschaften in der Sparte Stablecoins mittelfristig auszahlen, wenn damit unseriöse Vertreter vom Markt genommen werden. Ordentlich aufgestellten Stablecoins droht derweil Konkurrenz von anderer Seite: Banken launchen bereits eigene Stablecoins und Notenbanken bereiten staatlich gestützte Digitalwährungen (CBDC) vor – diese beiden Modelle könnten in direkten Wettstreit mit den Stablecoins der Kryptoindustrie treten.


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