Südkorea startet Testprogramm für staatliche Digitalwährung

Südkorea reiht sich in die Liste der Länder ein, welche die Einführung einer staatlich gestützten Digitalwährung ernsthaft prüfen. Die Zentralbank in Seoul hat dazu ein Pilotprogramm gestartet, welches vorerst bis Ende 2021 technisches und rechtliches Rahmenwerk ausloten soll.

Das Thema staatlicher organisierter E-Währungen wird im Kryptojahr 2020 mehr und mehr zu einem Trend, der sich nicht mehr auf eine Nische begrenzt. Neuester Fall: Südkorea. Dort hat die Zentralbank (Bank of Korea) den Start eines größer angelegten Testprogramms angekündigt. Die Währungshüter in Seoul sprechen dabei von einer central bank digital currency (CBDC) (übersetzt: Digitalwährung der Zentralbank) und meinen damit eine Abbildung des heimischen Won auf Basis von Blockchain-Technologie. Zunächst bis Dezember 2021 will man die Einführung einer südkoreanischen CBDC prüfen und dabei insbesondere Erfahrungen sammeln, die sich mit technologischen und rechtlichen Fragen eines E-Won beschäftigen.

Hintergrund zu Südkorea und E-Won

Der von der Zentralbank vorgelegte Zeitplan für das Erproben einer staatlichen Digitalwährung sieht vier Phasen vor. Zunächst soll bis Juli 2020 der E-Won genau definiert und auch ein Testnet entwickelt werden. Bis August 2020 soll der technologische Prüfprozess abgeschlossen sein. Danach will man mit Partnern aus der Wirtschaft Einsatzfälle diskutieren. 2021 ist dann für den tatsächlichen Gebrauch der CBDC in Südkorea reserviert. In dem ostasiatischen Land mit gut 50 Millionen Einwohnern hatte zuletzt die Politik den Weg freigemacht für den legalen Einsatz und Handel von Bitcoin und Co, was die dortige Kryptoszene als „Meilenstein“ feierte.

Unterdessen steht Südkorea mit seinem Programm für eine durch die Notenbank gestützte Digitalwährung international bei Weitem nicht alleine da. In Europa hat Schweden ein entsprechendes Vorhaben bereits gestartet, die Schweiz und Frankreich arbeiten intensiv an vergleichbaren Plänen. In Deutschland sieht die Bundesbank solche CBDC äußerst skeptisch, während Finanzminister Olaf Scholz der Idee aufgeschlossen gegenüber steht. Besonders aufmerksam schauen Beobachter nach China, wo die Vorbereitungen für eine offizielle E-Währung anscheinend schon sehr weit fortgeschritten sind.

Beschleunigt die Krise um den Coronavirus die Einführung von CBDCs?

Einen interessanten Hinweis darauf, warum die Diskussion und das Erproben von staatlichen Digitalwährung derzeit große Dynamik erfährt, gibt ein aktuelles Papier der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS). Darin weisen Experten daraufhin, dass es in der Bevölkerung Befürchtungen gäbe, der Coronavirus könne beim Gebrauch von Bargeld weitergegeben werden. Dies sei zwar wissenschaftlich nicht belegt, doch es solle den Ängsten entgegengetreten werden. Neben dem Sterilisieren von Banknoten empfiehlt die BIS, welche auch „Zentralbank der Zentralbanken“ genannt wird, den Notenbanken weltweit, intensiver als bisher die Einführung von CBDCs zu prüfen. Denn die Vorteile liegen auf der Hand: Digitalwährungen machen Zahlungen und Überweisungen in Echtzeit möglich, manipulationssicher dokumentiert und ohne physische Kontakte. Die Kryptobranche dürfte von der Entwicklung insgesamt profitieren, zum einen als Dienstleister und zum anderen auch durch erhöhte Akzeptanz für Kryptowährungen im Alltag.


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